back
Project
KoVoN Compliance Tool
Daniel Peters
Product Manager

KoVoN Compliance Tool

Online Tool zur Abbildung und Bewertung gesetzlicher Anforderungen in Fahrzeugprojekten
Projekttyp:
Produktentwicklung
Branche:
Automotive
Kundentyp:
Konzern
Teamgröße
7 plus
Rolle:
Product Manager

VIEW GALLERY

Problemstellung

Ausgangssituation

KoVoN war als zentrales Verifikations Onlinetool für gesetzliche Anforderungen geplant.
Grundlage waren UN ECE Regelungen und die COP Prüfungen, die ein Fahrzeug bestehen muss, bevor es in den Markt darf. Jede Regularie bringt Anforderungen mit sich, die ein Fahrzeug, eine Baugruppe oder einzelne Teile erfüllen müssen.

In der Realität waren diese Informationen über mehrere Abteilungen, Fahrzeugprojekte und Dokumente verteilt.
Es gab keinen gemeinsamen Blick darauf:

  • welche Regularien für welches Projekt gelten
  • welche Nachweise bereits vorliegen
  • wer fachlich für welche Regularie verantwortlich ist

Zuständigkeiten waren oft nur implizit bekannt und historisch gewachsen. Ein strukturierter Standardprozess für Bewertung und Dokumentation fehlte.

Zentrale Herausforderungen

In den Gesprächen und Tests wurde deutlich:

  • Eine Regularie kann grob auf Kapitel Ebene oder sehr fein auf Detail Ebene bewertet werden.
  • Mal ist eine komplette Abteilung zuständig, mal eine konkrete Person.
  • Nachweise und Dokumente liegen in unterschiedlichen Systemen und Ordnern.

Der erste MVP von KoVoN orientierte sich stark an der bestehenden Datenbank.
Er bildete die Daten zwar korrekt ab, löste aber den Kernschmerz nicht.
Die eigentliche Schwierigkeit lag in der Zuordnung von Regularien zu Projekten und Verantwortlichen, im Sichtbarmachen von Lücken und in einem einheitlichen Weg, wie man mit dem Tool arbeitet.

Gleichzeitig mussten wir im Konzernumfeld mit einem vorgegebenen Angular Framework, strengen Sicherheitsrichtlinien und internen Toolchains arbeiten.
Das schränkte gestalterische Freiheit ein und machte die Lösung bewusst funktional und pragmatisch.

Prozess

1. Standardprozess für den Umgang mit Regularien definieren

Der erste große Schritt war, einen Standardprozess zu definieren, wie mit Regularien und Nachweisen gearbeitet werden soll und wie KoVoN diesen Ablauf unterstützt.
Gemeinsam mit dem Kunden haben wir festgehalten:

  • welche Schritte von der Identifikation einer Regularie bis zur dokumentierten Bewertung durchlaufen werden
  • wie Dokumente und Nachweise sauber abgelegt werden sollen
  • welche Rolle in welchem Schritt welche Verantwortung trägt

Dieser Standardprozess war die Basis für das Tool.
Ohne klaren Prozess hätte jede Abteilung KoVoN anders genutzt.

2. Ansprechpartner in den Fahrzeugprojekten einbinden

Im nächsten Schritt haben wir sehr detailliert mit den Beteiligten in den Fahrzeugprojekten gesprochen.
Dazu gehörten:

  • Manager kurz unterhalb der Top Management Ebene
  • verantwortliche Personen in den Fachbereichen
  • Mitarbeitende, die konkrete Dokumente erstellen, zum Beispiel für Bremssysteme
  • Vertreter aus verschiedenen Fahrzeugteams und Systemverantwortliche

Für jedes Fahrzeugprojekt gibt es eigene Systemteams.
Wir waren im Grunde in allen relevanten Systemen unterwegs, um zu verstehen, wie dort heute gearbeitet wird und wie KoVoN in diese Welt passt.
Das war ein sehr mühsamer Prozess, aber notwendig, um reale Zuständigkeiten, Sonderfälle und Lücken aufzudecken.

3. MVP, Tests und Kurskorrektur

Auf Basis des Standardprozesses und der ersten Modelle wurde ein MVP umgesetzt, der die Datenbankstruktur in einem Angular Webtool nachbildete.
Ich habe mehrere Nutzertests vorbereitet und moderiert, unter anderem bei Audi mit Endnutzern und Managern.

Das Feedback zeigte klar:
Die Daten sind vorhanden, aber viele Nutzer kommen im Alltag damit nicht schneller voran.
Insbesondere die Zuordnung von Regularien zu Projekten, Abteilungen und Verantwortlichen blieb aufwendig.

Daraufhin haben wir den Fokus geschärft:

  • Mehrfachzuweisungen von Regularien und Kapiteln
  • bessere Sichten auf Projekte, Regularien und Nachweise
  • klarere Visualisierung von Status und Lücken

4. Rollenmodell, Sichten und Reporting

Im weiteren Verlauf entstanden ein Rollenmodell und mehrere Sichten, die exakt auf die Aufgaben der Nutzer zugeschnitten sind.
Zum Beispiel:

  • Projektsicht mit Status der Regularien und vorhandenen Nachweisen
  • Regulariensicht mit Zuordnung zu Projekten, Abteilungen und Verantwortlichen
  • Managementsicht mit Reporting über Projektfortschritt im Hinblick auf COP Anforderungen

Konzepte wurden als Prototypen und Klickdummys erstellt, mit Nutzern getestet und dann iterativ angepasst.
Parallel wurden Prozesse standardisiert, etwa wie Regularien gepflegt und bewertet werden sollen.

5. Product Management und Scrum im Konzernumfeld

Über rund drei Jahre habe ich Product Management und Scrum Aufgaben übernommen.
Dazu gehörten:

  • Backlog Pflege und Priorisierung
  • Roadmapping und Abschätzung von Aufwänden
  • Sprintplanung und Kapazitätsplanung, inklusive Urlaubsphasen
  • frühzeitiges Erkennen von Risiken wie Akzeptanz, Budget oder Schulungsaufwand

Nach jedem Meilenstein gab es Retrospektiven, um den eigenen Prozess zu verbessern.
Wir haben gelernt, wie stark Budgetzyklen, Konzernrichtlinien und Sicherheitsvorgaben die Produktentwicklung beeinflussen und wie wichtig es ist, Risiken offen mit dem Kunden zu adressieren.

Ergebnis

Fachliches Ergebnis

KoVoN hat gezeigt, dass ein zentrales Verifikations Onlinetool für gesetzliche Anforderungen fachlich sinnvoll und technisch umsetzbar ist.
Die Beta Version ermöglichte:

  • eine gemeinsame Sicht auf Projekte, Regularien und Nachweise
  • ein Rollenmodell mit abgestimmten Sichten für Management, Fachabteilungen und Dokumentationsverantwortliche
  • eine Bewertungslogik, die sowohl grobe Kapitel als auch detaillierte Anforderungen unterstützt

Damit wurden Lücken in Verantwortung und Dokumentation sichtbar.
Abteilungen konnten gezielt erkennen, wo Regularien noch nicht bewertet sind, wo Verantwortlichkeiten unklar sind und welche Nachweise fehlen.

Organisatorisches Ergebnis und Learnings

Trotz der Beta Reife wurde KoVoN nicht konzernweit ausgerollt.
Budgetkürzungen, hohe Auslastung im Tagesgeschäft und begrenzte Bereitschaft für zusätzliche Schulungen führten dazu, dass das Schulungskonzept nur teilweise genutzt wurde.
Diese Risiken waren früh erkennbar und wurden offen mit dem Kunden besprochen.
Die Entscheidung, das Tool nicht breit einzuführen, lag letztlich beim Konzern.

No items found.